Neues aus Normen & Standards

Operationalisierung von Normen und Standards. Für eine konforme, benutzerfreundliche Dokumentation.

Normenkonform und richtliniensicher: itl operationalisiert die wichtigsten Normen und Standards für Technische Dokumentation und entwickelt innovative Dokumentationskonzepte.

Sind Normen und Standards Bedingungen oder „Bremsklötze" für die Umsetzung innovativer Dokumentationskonzepte? Die Abteilung Forschung & Entwicklung kennt die Antwort und operationalisiert für Sie die wichtigsten Normen und Standards für eine gesetzeskonforme und benutzerfreundliche Dokumentation – auch für die Anwendung auf elektronische Dokumentation, insbesondere auf mobilen Medien.

 

 

  • Richtliniensichere Benutzerdokumentation
  • Normen- und Richtlinienkonformität
  • Innovative Dokumentationskonzepte

Zunächst einmal kann man Technische Dokumentation als Umsetzung der Risikoanalyse verstehen: die Technische Dokumentation muss vor unvermeidbaren Restgefahren bei der Produktnutzung warnen. Eine Grundlage für diesen Ansatz bilden das Produktsicherheitsgesetz und die Maschinensicherheitsgrundnorm 12100:2010.

Produkte und insbesondere Maschinen müssen sicher konstruiert sein. Eine Technische Dokumentation ist kein Ersatz, sondern eine Ergänzung zur 3-Stufen-Methode der Produktsicherheit:

Leider berücksichtigt keine der beiden aktuellen Normen 82079 und 20607 die Aufteilung der Verantwortung zwischen Hersteller und Betreiber. Im Gegenteil: Die neuen Versionen der Normen fordern sogar Erste‑Hilfe‑Maßnahmen in den Betriebsanleitungen! Eine für die Praxis völlig unsinnige Forderung, da diese Maßnahmen völlig abhängig von den konkreten Gegebenheiten vor Ort sind. Und eben diese Gegebenheiten sind dem Produkthersteller i. d. R. nicht oder nicht ausreichend bekannt.

Die Folge ist eine grundsätzliche Unsicherheit, inwieweit Betreiber die Hersteller-Betriebsanleitungen ergänzen müssen, etwa durch Betriebsanweisungen. Grundsätzlich weist die 3-Stufen-Methode immerhin daraufhin, dass die Betriebsanleitung nur einer der Wege zur sicheren Produktanwendung ist.

Für konkrete Umsetzungsdetails, wie eine technische Dokumentation gestaltet sein soll, sind folgende drei Normen und Normensammlungen maßgebend:

  • IEC 82079:2019-05 (bisher nur in Englisch und Französisch vorliegend)
  • DIN EN ISO 20607:2019-10 (vorab veröffentlicht)
  • ergänzend mit Blick auf elektronische Dokumentation Teile Normenreihe 9241

Einer der wichtigsten neuen Punkte der Normen ist: Endlich ist die unbedingte Papierpflicht vom Tisch. Die adäquaten Medien zu definieren, ist Aufgabe des Produktherstellers.

Die wichtigsten Normen

ISO/IEC/IEEE 82079-1:2019-05 Erstellen von Benutzerinformationen/Gebrauchsanleitungen für Produkte - Gliederung, Inhalt und Darstellung - Teil 1: Allgemeine Grundsätze und ausführliche Anforderungen.

Die Norm versteht sich als die grundlegende Norm für alle Arten von Produktinformationen.

Bei der Gestaltung von Sicherheitshinweisen bleibt die Norm jedoch sehr vage. Sie erwähnt zwar die Norm ISO 3864 zur Definition und Klassifikation von Signalwörtern für Warnhinweise (Gefahr, Warnung, Vorsicht) ohne jedoch auf konkrete Gestaltungsdetails einzugehen. Daher empfehlen Dozenten oft, zusätzlich die US-amerikanischen ANSI-Norm Z535.6 (Product Safety Information in Product Manuals, Instructions, and Other Collateral Materials) zu berücksichtigen. Das gilt jedoch als Praxisempfehlung. Die Norm 82079 kennt naturgemäß keinen normativen Verweise auf eine US-Norm.

Insgesamt gilt die 82079 als die wichtigste Norm für Produktinformationen und die Version von 2019 ist auch besser gelungen als die Vorgängernorm. Dennoch zeigt auch diese Norm immer noch Unklarheiten und Widersprüche, die bei einer Norm eigentlich nicht passieren sollten. Kritikern fehlen auch konkrete Details z. B. zur Gestaltung von Warnhinweisen oder normative Forderungen, Usability-Konzepte bei elektronischer Dokumentation anzuwenden. Die Normenreihe 9241 enthält diese Forderungen, wird aber lediglich als informativer Querverweis erwähnt.

Sicherheit von Maschinen - Betriebsanleitung - Allgemeine Gestaltungsgrundsätze (ISO 20607:2019); Deutsche Fassung DIN EN ISO 20607:2019-10.

Diese Norm versteht sich vor allen Dingen als Konkretisierung der Forderungen der betagten Norm 12100-2010 an Betriebsanleitungen. Leider wurde diese Norm nur unzureichend abgestimmt mit der aktuellen Version der 82079. Praktisch stehen beide Normen zum Teil im „Wettbewerb“ miteinander. Als „Vorteil“ soll die 20607 als harmonisierte Norm zur Maschinenrechtlinie definiert werden. Bei einigen Themen nennt die 20607 konkretere Beispiele, etwa bei Formulierungstipps. Insgesamt ist die Norm aber sprachlich eher verunglückt als gelungen. Ihre Vorabveröffentlichung vor dem offiziellen Ausgabedatum im Oktober weist eher auf den Versuch hin, im Verkauf mit der 82079 zu konkurrieren. Die Norm 20607 liegt bereits in deutscher Sprache vor.

Die DIN EN ISO 9241 bildet eine große Normenreihe zum Thema „Mensch-Maschine-Schnittstelle“.

Endlich gibt es auch neue Versionen der zum Teil sehr betagten Normen der 9241-Reihe. Die neuen Versionen berücksichtigen auch multimediale Aspekte und das Zeitalter der mobilen Endgeräte mit den bekannten Wischgesten.

Die wichtigsten Bestandteile der Normenreihe für elektronische Technische Dokumentation sind:

  • DIN EN ISO 9241-11:2018-11 Ergonomie der Mensch-System-Interaktion – Teil 11: Gebrauchstauglichkeit: Begriffe und Konzepte (ISO 9241-11:2018);
    Deutsche Fassung EN ISO 9241‑11:2018
  • DIN EN ISO 9241-110:2008-09 Ergonomie der Mensch-System-Interaktion – Teil 110: Grundsätze der Dialoggestaltung (ISO 9241-110:2006);
    Deutsche Fassung EN ISO 9241-110:2006
  • 2018 wurde damit begonnen, die Norm zu aktualisieren. Der neue Titel soll wohl heißen „Teil 110: Interaktionsprinzipien“. Leider liegt noch kein Entwurf vor.
  • DIN EN ISO 9241-112:2017-08 Ergonomie der Mensch-System-Interaktion – Teil 112: Grundsätze der Informationsdarstellung (ISO 9241-112:2017);
    Deutsche Fassung EN ISO 9241-112:2017

Hauptaufgabe für Technische Redaktionen wird es sein, die durchaus wichtigen Grundideen der Normen überhaupt erst auf den Nutzungskontext von elektronischer Dokumentation zu übertragen.

Die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG (mit ihren ausführlichen Details im Anhang 1.7.4 zu den inhaltlichen Anforderungen an eine Betriebsanleitung) gilt als Vorbild für alle anderen Richtlinien. Dennoch gibt diese Richtlinie keine Hinweise zum Gesamtkonzept einer Betriebsanleitung. Das bleibt Leitfäden vorbehalten wie etwa der tekom-Richtlinie zu Betriebsanleitungen.

Mit der Maschinenrichtlinie sehr verbunden ist der Mythos, dass sie Dokumentation auf Papier fordere. Doch der Leitfaden zur Maschinenrichtlinie stellt eindeutig klar: „Die Form der Betriebsanleitung wird in Nummer 1.7.4 nicht festgelegt“.

Die inzwischen betagte Richtlinie soll bis 2020 zu einem neuen Entwurf als Verordnung umgesetzt werden, die dann voraussichtlich nicht vor 2023 verpflichtend anzuwenden wäre.

Die DIN ISO 3864 ist eine 4-teilige Normenreihe zur ISO 3864 „Graphische Symbole – Sicherheitsfarben und Sicherheitszeichen“ (z. B. Warnhinweise auf Produkten).

Die Berücksichtigung in der Technischen Dokumentation bezieht sich vor allem auf den Normenteil „ISO 3864-2 Gestaltungsgrundlagen für Sicherheitsschilder auf Produkten“, der die dreistufige Signalwortklassifikation definiert (Gefahr, Warnung, Vorsicht).

Die Norm existiert nicht als EN-Norm. Die Antwort des Beuth-Verlags auf Rückfrage lautete, es werde kein Bedarf gesehen. Eine aus europäischer Sicht doch sehr überraschende Antwort.

Einige Teile der Norm wurden 2017 aktualisiert, jedoch sind keine grundsätzlichen Änderungen zu vermerken. Für die Einsparung von Übersetzungskosten sind nun Warnhinweise auch ohne Signalwort erlaubt.

„Product Safety Information in Product Manuals, Instructions, and Other Collateral Materials“

Die ANSI Z535 ist eine 6-teilige, amerikanische Normenreihe. Analog zur ISO 3864 spezifiziert die Norm Warnhinweise und Sicherheitsinformationen, insbesondere auf Produkten. Weil die Normenreihe durch die ANSI Z535.6 konkret die Gestaltung von Warnhinweisen und Sicherheitsinformationen definiert, ist sie bekannter als die ISO 3864.

2019 wurde die Normenreihe ohne Änderung für weitere fünf Jahre bestätigt.

Warnhinweise nach ISO und ANSI sind inzwischen einheitlich gestaltbar, gelten also harmonisiert.

Sie haben Fragen?

Die Normexperten von itl wissen, was Sie beachten müssen, damit Ihre Dokumentation nicht nur normenkonform und richtliniensicher, sondern auch benutzerfreundlich ist. Auf Anfrage führen wir einen ausführlichen Doku-Check Ihrer Technischen Dokumentation durch und prüfen sie auf Konformität mit den wichtigsten Normen und Richtlinien. Unser Fachwissen geben wir auch regelmäßig in unseren Seminaren und Workshops rund um die Technische Dokumentation weiter.

Fordern Sie den itl-NormenGuide, den Leitfaden zu den 14 wichtigsten Normen und Richtlinien. Anlässlich der tekom-Jahrestagung 2019 erhalten Sie den itl-NormenGuide im November kostenlos! Senden Sie uns eine E-Mail an marketing@itl(dot)eu mit Ihren Kontaktdaten.

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