Transformationen durch SDL Trados Studio 2017?

27. Oktober 2016, Christine Bruckner - Übersetzung

“Studio 2017 is very exciting, I have been waiting for the integration of fragment matching for many years.” […] “The move towards AdaptiveMT is also very interesting, both from the translator and from the LSP perspective.”

Dieses Zitat von mir wird sich unter anderen in der SDL-Werbung für das neue SDL Trados Studio 2017 finden, das seit August der SDL Beta Group zum Testen zur Verfügung steht und im November 2016 von SDL veröffentlicht werden soll.

Aus dem Leben einer Beta-Testerin

Ich nehme bereits seit der Entwicklung von Studio 2009 an den SDL-Beta-Tests teil. Es ist immer sehr spannend, die neuesten Features als eine der Ersten zu testen und sich in der Beta-Community mit anderen Übersetzern und TM-Tool-Experten auszutauschen. Als Beta-Testerin kann man den SDL-Entwicklern und Produktmanagern direkt Rückmeldung geben, ob die neuen Versionen stabil laufen und welche Verbesserungsvorschläge man für die neuen Funktionen hat – und so vielleicht doch noch die eine oder andere Behebung von Fehlern durchsetzen, die eigentlich nicht geplant war.

Was ist wirklich neu in Studio 2017?

Nachdem Studio 2015 im Vergleich zu Studio 2014 weitgehend „kosmetische“ Änderungen gebracht hatte, hat SDL bei Studio 2017 tiefer in den Werkzeugkasten gegriffen – und herausgekommen sind unter anderem folgende Neuerungen:

upLIFT-Technologie: Das Auffinden von Teilsegmenten aus vorhandenen Satzpaaren und das automatische Befüllen von neuen Segmenten mit diesen Teilsegmenten

Optional kann auch die Match Repair-Funktion aktiviert werden, die Fuzzy-Matches durch Fragment-Matches (und künftig wohl auch durch Terminologietreffer) „flicken“ kann.

Fuzzy-Match wird durch ein Fragment-Match (korrekt) geflickt

Transformational Machine Translation: Die Integration von intelligenter, maschineller Übersetzung (MT) zusätzlich zu Translation Memory-Vorschlägen

Der neue MT-Ansatz in Studio 2017 bietet den Vorteil, dass die maschinellen Übersetzungs-Engines nun nicht – wie es zur Zeit bei rein statischer, maschineller Übersetzung der Fall ist – immer dieselben Fehler wiederholen, sondern aus den neu gespeicherten Übersetzungseinheiten des menschlichen Übersetzers lernen. So passen sich die Übersetzungs-Engines schrittweise an den Stil und die Terminologie des vorliegenden Übersetzungsprojekts an.

Maschineller Übersetzungsvorschlag, der aus gespeicherten Übersetzungseinheiten gelernt hat, aber dennoch von einem menschlichen Übersetzer geprüft und angepasst werden muss

Neben SDL entwickelt u.a. auch Google diese Technologie der Adaptive Machine Translation oder Neural Machine Translation weiter. Leider ist bei SDL diese lernfähige, maschinelle Übersetzung aus der SDL Language Cloud in der ersten Version von Studio 2017 nur für einige wenige Sprachrichtungen verfügbar. In Bezug auf Deutsch müssen wir uns zunächst mit der Sprachrichtung Englisch > Deutsch zufrieden geben.

Wirklich neuartig sind diese Technologien aber nicht: Einzeln oder in ähnlicher Kombination gibt es sie auch schon in anderen Übersetzungstools. Doch integriert im führenden Translation Memory-Tool werden sie in SDL Trados Studio 2017 insbesondere den Übersetzern die Zügel flexibler und zugleich fester in die Hand geben, was die Vorschläge von und Kontrolle über die Übersetzungs-„Bausteine“ angeht. Das dürfte den Übersetzern hoffentlich auch die Angst nehmen, in die reine Machine Translation Post-Editing-Ecke gedrängt zu werden, was ja in Übersetzerkreisen immer wieder befürchtet wird.

Was bringt Studio 2017 für itl und die Kunden?

Die upLift- und AdaptiveMT-Vorteile und deren Auswirkungen auf Übersetzungskonsistenz und mögliches Einsparungspotenzial lassen sich mit Studio 2017 auch im Vorhinein bereits bei der Projektvorbereitung kalkulieren und besser einschätzen, was natürlich im Interesse von itl als Übersetzungsdienstleister und unseren Kunden liegt.

Die Praxistauglichkeit dieser neuen Funktionen dürfte im Wesentlichen von folgenden Faktoren abhängen: Der Stabilität, der Performanz und den Kosten von Studio 2017 (plus ggf. zusätzlich den Abonnement-Kosten für die SDL Machine Translation aus der „Cloud“), die sich erst im finalen Release bzw. bei Veröffentlichung zeigen werden.

In Studio 2017 und MultiTerm 2017 sind obendrein etliche Bugs behoben sowie Erweiterungen in Bezug auf Dateiformate und Benutzerfreundlichkeit implementiert, die den itl-Projektmanagern und Localization Engineers und unseren Übersetzern den Übersetzungsalltag erleichtern und unseren Kunden mehr technische Flexibilität bieten werden.

Auch wenn Studio 2017 wohl keine wahren „Transformationen“ bringt (wie vom SDL Marketing ankündigt), warten wir bei itl gespannt auf die Veröffentlichung und baldige Nutzung von SDL Trados Studio 2017, SDL MultiTerm 2017 und SDL GroupShare 2017.

Sie möchten wissen, welche Vorteile Studio 2017 für Sie als (künftiger) itl-Übersetzungskunde bietet? Gerne diskutiere ich mit Ihnen darüber: uebersetzung@itl(dot)eu.

Weiterführende Informationen zu SDL Trados Studio 2017 finden Sie hier: http://blog.translationzone.com/de/sdl-trados-studio-2017-transformation-translation/

Wer ist Christine Bruckner

Christine Bruckner hat im Juni 2014 die Leitung des Technical Services bei itl übernommen, der für die Beratung und den Support von itl-Kunden und itl-Mitarbeitern im Bereich Translation-Memory- und Terminologie-Tools und Datenaufbereitung zuständig ist. Neben langjähriger Praxis- und Schulungserfahrung mit Trados-Produkten verfügt sie auch über die SDL-Übersetzer-Zertifizierung für Studio 2014 und MultiTerm 2014.
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