App-Suche: Wolfram Alpha oder Google?

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Das Projekt

Wolfram Alpha (eigene Schreibweise „Wolfram|Alpha“) wurde bereits im Jahre 2005 gestartet und gilt als eines der größten Projekte der Wissensaufbereitung. Stephen Wolfram und sein Team haben es sich zur Aufgabe gemacht, Informationen systematisch so aufzubereiten, dass sie für jedermann zugänglich sind – unabhängig davon, welchen Beruf oder Ausbildungsgrad der Nutzer hat.
Die Plattform greift dabei auf interne Wissensdatenbanken, umfangreiche semantische Datensysteme und Ontologien zurück. Suchergebnisse von Wolfram Alpha werden “on the fly“ generiert.

Der Unterschied

Was macht Wolfram Alpha anders als Google oder andere gängige Suchmaschinen?
Um das zu veranschaulichen, starte ich sowohl bei Wolfram Alpha als auch bei Google eine beliebige Suchanfrage: „tire size 195/55R16“.
Das Ergebnis, das Wolfram Alpha präsentiert, sieht folgendermaßen aus (abgerufen am 24.05.2017, Auszug):

 

Mit derselben Suchanfrage bei Google erhalte ich folgendes Ergebnis (abgerufen am 24.05.2017, Auszug)

Sie sehen bereits den Unterschied: Google präsentiert knapp 1,5 Millionen Suchergebnisse, die der Nutzer selbst nach relevanten Informationen durchforsten muss. Die Suchergebnisse sind also eine Liste von Links, in denen der Nutzer (vielleicht) das Gewünschte findet. Immerhin ist bei den Google-Ergebnissen auch ein Eintrag mit Wolfram Alpha dabei.

Die Suchanfrage bei Wolfram Alpha bringt hingegen genau eine Ergebnisseite, auf der alles Relevante präsentiert wird. Wolfram Alpha bietet zudem die Möglichkeit, in diesem konkreten Beispiel vom metrischen Maß auf das nichtmetrische Maß umzuschalten. Dazu müsste bei Google wiederum ein Konverter gesucht werden.
Nutzer des kostenpflichten Pro-Accounts von Wolfram Alpha können die Ergebnisdaten direkt von der Webseite in den verschiedensten Formaten herunterladen und weiterverarbeiten. Die Plattform bietet mit dem Pro-Account auch die Möglichkeit, selbst Daten für Analysen upzuloaden.

Was hat das mit Technischer Dokumentation zu tun?

Sie fragen sich sicher, was das alles mit Technischer Dokumentation zu tun haben soll. In Anbetracht dessen, dass Apps zunehmend auch für die Technische Dokumentation im Gespräch sind, viel: Je kleiner die Geräte sind, auf denen der Inhalt angezeigt wird, desto besser muss die integrierte Suche sein. Vor allem in kritischen Situationen darf vom Nutzer nicht verlangt werden, dass er umständlich auf zahllosen App-Seiten recherchiert. Völlig unakzeptabel ist es dann, dass der Nutzer sich Gedanken machen muss, wie er seine Suche formuliert.
Die Stärke einer App – aber auch anderer Systeme – ist also unter anderem, dass das gesuchte Thema rasch und punktgenau gefunden wird. Noch besser ist es, wenn der Nutzer auf einen Blick die Lösung oder die notwendigen Handlungsschritte angezeigt bekommt. Das scheint zwar eine Binsenweisheit zu sein, wird aber erschreckend selten bei Beginn von App-Planungen bedacht.

Die API

Wolfram Alpha bietet für App-Entwicklungen Schnittstellen zum Cloud-Service. In den Nutzungsbedingungen wird dabei zugesagt, dass Suchergebnisse auf dem API-Client angezeigt, aber auch weiterverarbeitet werden dürfen. Das Wissen muss also nicht in jedem Unternehmen neu aufgebaut werden, sondern ist direkt nutzbar.

Conclusio

Welche Sprachen versteht Wolfram Alpha? Obwohl Wolfram Alpha ein Übermaß an Wissen in sich zu vereinen scheint, kann es derzeit nur Suchanfragen auf Englisch verarbeiten. Eine Suchanfrage in einer anderen Sprache muss also gegebenenfalls zuerst übersetzt werden.

Bei der Entwicklung von Apps muss von vornherein eingeplant werden, welche Suchmethode zur Verfügung gestellt werden soll. Semantische Suchergebnisse sollten da nicht fehlen. Wolfram Alpha setzt hierbei einen Standard, der durchaus Inspiration für die Gestaltung von App-Suchen bietet.

Ein weiteres Beispiel am Schluss: Starten Sie doch einmal folgende Suche sowohl bei Wolfram Alpha als auch bei Google: „148579-54874“. Welches Ergebnis überzeugt Sie mehr?

Wer ist Margareth Larcher

Mag. Margareth Larcher ist bei itl als Technische Redakteurin, Trainerin und Projektmanagerin tätig. Seit 1995 ist sie IT-Trainerin, Übersetzerin (DE-EN und DE-IT) und Technische Redakteurin. Berufsbegleitend studiert sie derzeit an der FH Technikum Wien Electronics & Business.

Herausgeber: itl AG München ,

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3 Kommentare

Margareth Larcher

04. Dezember 2017

Suchergebnis überzeugend

Es steht außer Zweifel, dass Wolfram|Alpha lediglich für sehr spezielle Suchanfragen Verwendung findet.

Meist wird aber auch in einer App nur sehr spezifisch gesucht werden, nämlich passend zum jeweiligen Thema.

Wald- und Wiesenanfragen werden also auch weiterhin die Domäne von Google und Co. bleiben.

Überzeugend bei Wolfram|Alpha finde ich allerdings die Präsentation eines Suchergebnisses: Wenn denn was gefunden wird, so wird es auf einer Seite dargestellt, ich muss keine weiteren Links durchforsten.

Wenn nichts gefunden wird, dann wird auch nicht lang drum herumgeredet.

Google-Suchergebnisse hingegen gaukeln häufig vor, dass brauchbare Links zur Anfrage vorhanden sind, allzu oft jedoch wird man enttäuscht.


Dieter Gust

24. November 2017

Semantik auch bei der Suche?

Super spannendes Thema und…

1. Der Link wäre nicht schlecht gewesen:

www.wolframalpha.com

2. Suche aus Blogbeispiel gestartet und: WolframAlpha und Google gleich schnell: 93705.

Anderer Test: ANSI Z535.6:2011: WolframAlpha nun ja vermutet Formeln und Variablen, Google: ANSI-Norm mit Vortrag von Schmeling. Also Google ist viel besser nur statt Schmeling wäre Gust sagen wir aus itl-Sicht vorteilhaft gewesen. Aber das ist ein SEO-Thema für unser Marketing!

Tja WolframAlpha spiegelt ein wenig wider, was Yahoo versucht hat und gescheitert ist: Semantische Strukturen einzubinden in die Suche.

Aber wie finde ich bei der WolframAlpha Infos zur Norm ANSI Z535.6:2011 ( so ist nun einmal die genormte Schreibweise)?

WolframAlpha ist gut, wenn ich semantisch schon selber strukturiert denke und entsprechend exakt suche. Aber wer denkt denn so, wenn man's eilig hat?.

Das Thema ist aber enorm spannend, weil im Zeitalter von Industrie 4.0 und iiRDS (Intelligent Information Request and Delivery Standard - Tekom) semantische Strukturen immer mit betrachtet werden müssen. Ob aber der Suchende diese vor der Suche sofort benötigt, oder ein intelligenter Algorithmus strukturell mitdenkt , das sind noch spannendere Usability-Themen.


Regine Ceglarek

22. November 2017

Sehr inspirierend. Danke für diesen Beitrag!